26. März 2019

Das Kind mit der Kreide

 

 

Wenn es außer mir keine Menschen gäbe, wäre ich....

 





 Um wirklich zu spielen, muß der Mensch, 

solange er spielt, wieder Kind sein.


(Johan Huizinga)



Ich würde draußen auf der Straße sitzen, um die Sonnenstrahlen abzubekommen und mit Kreide Bilder auf den Boden malen.
Ich würde meinen Gaskocher mit in den Supermarkt nehmen und vor Ort kochen, auf was ich Lust hätte.
Ich würde nackt durch den Wald rennen, über Wurzeln hüpfen und mit den Vögeln pfeifen.
Ich würde durch den Bach waten, an jedem Blümchen riechen und lauthals Lieder trällern.
Ich würde die ganze Welt mit dem Auto erkunden und alle Wunder anschauen.

Warum sitzen wir nicht auf der Straße und malen mit Kreide?

27. Dezember 2018

Reisen verändert






Desto weiter ich reise, 
desto näher komme ich an mich heran. (Andrew McCarthy)








Reisen verändert.     

Vor allem das Langzeitreisen.

Täglich begegnet man neuen Menschen, neuen Persönlichkeiten. Jeder mit einer anderen Geschichte. Viele mit einem schwierigen Schicksal.
Die ersten Fragen sind meistens gleich. 
Woher kommst Du?
Wohin fährst Du?
Wie lang bist Du schon unterwegs?
Wie finanzierst Du das Ganze.

Nach einiger Zeit wird einem die eigene Geschichte langweilig. Man beginnt, Details zu vernachlässigen und liefert nur noch eine kurze Zusammenfassung mit relevanten Eckdaten. Das Geschichten- und Abenteuererzählen wird einem überflüssig. Man beginnt innerlich zu schmunzeln, wenn der Nachbar den Neuankömmlingen die selbe Geschichte erzählt wie zehn anderen Leuten davor.

Man beginnt nachzudenken, wie relevant all die Wörter, die man Tag für Tag von sich gibt, eigentlich sind. 


23. Juni 2018

Wir sind das Volk - ähm....Moment, nein, ich nicht


Die Gesellschaft und deren Regeln ist durch das Volk für das Volk entstanden.
Ohne Gesellschaft würde das Chaos regieren, wir würden mit Keulen schwingend dem Nachbarn das IPhone aus der Hand brüllen und den Porsche des Arbeitgebers mit Kaugummi bekleben....jaja, wir sind eben doch nur Säugetiere.



Die Gesellschaft ist, wie die meisten Existenzen, für den Durchschnitt gemacht, für den guten Mittelwert, und das ist auch gut so. Denn würden alle Regeln und Gesetze nur auf Picassos zugeschnitten sein, wären wohl bald 98% der Menschen hinter Gittern.

13. Februar 2018

Der Freigeist



Wir sind die, die anders sind, anders leben, alles möglich machen und vor nichts Angst haben.

So scheint es....






Wir folgen nicht den Konventionen, richten uns nicht nach dem, was andere Meschen denken, für richtig halten oder gesellschaftlich verlangt wird. Wir bereisen die Welt, wissen heute nicht, wo wir morgen sein werden und was wir essen werden, geschweige denn machen wir uns Sorgen darum, wie es um uns im Alter stehen könnte.
Wir leben die ultimative Freiheit, tun was wir wollen und sind immer glücklich.

So scheint es....

24. Juli 2017

Wir sind die Anderen...






"Man muss Flügel haben, 
wenn man den Abgrund liebt"
 
 (Friedrich Wilhelm Nietzsche)







Geht es anderen Menschen genauso?
Dass sie sich haltlos fühlen und immer zwischen Suche und Verankerung pendeln?
Sich nie sicher sind, ob die Entscheidung, die sie treffen, auch wirklich die richtige ist?
Sich nie sicher sind, ob sie so, wie sie sind, ok sind?
Sich immer wieder hinterfragen, alles hinterfragen?
Oder reden diese Menschen einfach nur nicht darüber, dass es ihnen so geht. Finden Sie sich damit zurecht und bauen ihr Leben drumherum stabil auf, was uns nicht gelingt?

Das Leben in der Box

Ich denke, vielen Menschen geht es nicht so. Sie leben in einer Box, die ihr Leben darstellt. Die Wände sind ihre Sicherheiten, sie haben ein stabiles Fundament aus der Kindheit mitgebracht, auf das sie ihre Überzeugungen und Werte, ihre Pläne und Ziele aufbauen können. Neue Erfahrungen verstärken den Putz der Wände, machen die Box zu einem sicheren Ort, der Geborgenheit widerspiegelt.

Der Deckel bleibt geschlossen und sie fühlen sich wohl und sicher in ihrem Leben. Öffnet sich der Deckel mal, kommt das Konstrukt ins Wanken, die Stabilität schwindet und es wird begonnen sein Leben zu hinterfragen. Die unendliche Weite und die Nichtigkeit des eigenen Seins hat mit dem Öffnen des Deckels plötzlich Einzug in die vier Wände und bringt ein Gefühl von Unsicherheit mit sich. Der Putz beginnt zu bröckeln. Ein Beispiel hierfür wäre die Midlifecrisis.

Das Leben der Anderen

Wir, die anderen, unsicheren, haltlosen Menschen, wir stehen auf dem Boden unserer Box und haben keine Wände. Unser Fundament aus der Kindheit besteht aus Sand; Ideen, die uns einfallen, verschwinden darin und werden nicht mehr gefunden. Sicherheiten, die wir suchen und meinen zu finden, stellen wir als schützende Wände um uns herum auf, doch sie fallen immer wieder um. Einen Deckel kennen wir nicht. Alles strömt ungehindert an uns heran und schubst uns hin und her.

Verzweifelt suchen wir nach Stabilität, nach Schutz, wünschen uns eine stabile Box. Auf der Suche danach lassen wir immer mehr Ideologien auf uns nieder regnen, wir halten sie kurz, bauen eine Wand aus ihnen und schauen im Sand sitzend dabei zu, wie diese wieder in selbigem versinkt oder umkippt und wir nur knapp dem Erschlagenwerden entgehen.

Wir können keine Fassaden um uns herum errichten, können unsere Box nach außen nicht bunt dekorieren, obwohl es innen dunkel ist. Wir sind immer voll und ganz umrundbar, sichtbar und angreifbar. Spielen wir Theater haben wir keinen Rückzugsort, sondern müssen unsere Rolle immer spielen. Legen wir sie ab, sind wir nackt, verletzlich und ungeschützt.

Die Beziehungen der Boxlosen 

Menschen treten in unser Leben. Sind sie wie wir, stehen wir zusammen auf freiem Feld. Schutzlos allen Einflüssen ausgeliefert. Auch zusammen können wir keine Box um uns bauen, die dauerhaft wäre. Gelingt uns ein Rohbau, wird uns bald bewusst, dass der Platz für zwei Personen zu eng ist, die Dekorationen uns nicht entsprechen und wir reißen die Mauern wieder ein.

Tritt ein Mensch mit Box in unser Leben, werden wir immer versuchen, uns in seiner Box zuhause zu fühlen. Auch diese Box wird zu klein sein für zwei. Und der intakte Partner wird sich schnell beengt und beeinflusst fühlen und uns im hohem Bogen durch die Öffnung im Deckel verfrachten.
Oder aber wir sind schon so an die Weite und die Winde gewöhnt, dass wir uns eingesperrt fühlen und selbst das Weite suchen.

Vielleicht versuchen wir, ein Abbild seiner Box auf unseren Boden zu bauen, übernehmen seine Werte und Vorstellungen. Denn sie geben ihm Zufriedenheit und Sicherheit. Sollte das bei uns dann nicht auch klappen?
Manchmal hält das Quadrat an kopierten Illusionen eine Weile. Aber dennoch fehlt der Deckel und wir haben kein Fundament. Früher oder später wird ein Wind alles in sich zusammen sacken lassen und wir werden merken, dass es eben nicht unsere Pläne, Ziele und Sicherheiten waren, in die wir uns gezwängt hatten.

Da stehen wir nun wieder auf dem wackeligen Boden unsere Box. Sehen dabei zu, wie unsere Emotionen und Erinnerungen im Sand versinken. Spüren sie latent unter uns, merken wie sie Einfluss auf uns nehmen und können sie doch nicht greifen.
Wind, Wasser, Sonne, wie müssen lernen, damit zu leben. Schutzlos, hilflos, ausgeliefert. Wir werden immer härter kämpfen als Menschen mit Box. Wir werden uns immer schwerer tun, unseren Boden ein Zuhause zu nennen. Wir werden immer wieder scheitern, wenn wir Menschen an uns ran lassen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht selbst im Sand versinken und in unseren Emotionen, Erinnerungen und Erfahrungen ein warmes Grab finden.

Nicht alles ist schlecht :)

Vielleicht schaffen wir es nie, uns ein festes Fundament zu gießen. Aber...
Wir haben den Vorteil, dass wir immer auf weichem Boden schlafen können, die Sterne über uns.
Wir fangen Träume und lassen wir wieder frei, wir wissen, wie sich Freiheit anfühlt,
wir können singen und unsere Stimme wird nicht von kalten Wänden zurück geworfen, sondern findet ihren Weg durchs All.
Wir können tanzen und stoßen nirgends an.
Unsere Gedanken ziehen weiter als bis zur nächsten Betonwand.
Wir kennen das Universum, die Welt um uns und die Weite, die Nichtigkeit von Boxen.

Wir können uns vielleicht nie anpassen, werden immer in unserem sandigen Quadrat in einer Welt zwischen Menschen mit Boxen leben müssen. Vielleicht können wir uns nie an die box-konforme Gesellschaft anpassen, finden nie unseren klassischen Weg, der von Boxbesitzern vorgegeben wird. Aber wir haben unendlich viel Fantasie. Wir kennen Welten, Vorstellungen und Ideen, die Boxbesitzer nie haben werden. Und wir kennen das Schöne, die Wunder um uns herum. Wir schauen weiter als zum Horizont.

Es wird nie leicht sein, aber wir leben. Intensiv und voller Leidenschaft. Wir sehen, was uns die Welt bietet, anstatt unsere Wände mit unseren Vorstellungen zu dekorieren. Vielleicht werden wir nie ankommen, uns nie geborgen fühlen, aber wir werden fühlen, träumen, fliegen...




  


Lass Deinen Horizont da anfangen, 
wo der anderer Menschen aufhört