30. Mai 2016

Ziele





















Wir werden von klein auf darauf konditioniert, uns Ziele zu setzen und diese zu erreichen.
Erreicht man sein Ziel nicht, gibt auf, oder bricht etwas bewusst ab, gilt man als Versager. Es wird in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert, dass Menschen sich auf dem Weg zu ihrem Ziel umentscheiden, weil sie bemerken, dass es doch nicht das Richtige ist.
Das macht sich nicht gut in unserem Lebenslauf.

Wir sollen das Bilderbuch-Klischee bedienen. Am besten mit einem Einser-Abschluss die Schule verlassen, von klein an wissen, was wir werden wollen, uns nebenher sozial engagieren und ein Studium mit Bravour beenden.
Und parallel wundern wir uns, warum immer mehr Menschen an Burnout oder Depressionen erkranken. Man kann den Anforderungen und Erwartungen unserer Leistungsgesellschaft kaum Stand halten.

Es wird von uns erwartet, dass wir Karriere machen wollen, ehrgeizig sind und uns durchsetzen. Um dann in der Rente einen teuren SUV fahren zu können? Und gleichzeitig psychisch krank unserem Untergang entgegensehen?

Ich denke, wir sind zu starr auf die Vorgaben fixiert. Wer sagt denn, dass jeder Mensch das gleiche übergeordnete Ziel nach Erfolg haben muss?
Wir werden so erzogen und dennoch bilden sich immer wieder Grüppchen aus, die dieser gesellschaftlichen Entwicklung entgegenwirken. Sei es durch veröffentlichte Bücher (ich empfehle an dieser Stelle Barbara Sher), Blogs oder einfach alternative Arbeitsmodelle.

Der Trend der westlichen Welt hin zu bewusster und gesunder Ernährung und Lebensweise, zu Yoga und Meditation, zeigt eindeutig, dass das, was wir eigentlich brauchen und wollen, die Ruhe ist. Sich selbst zu spüren und ein entspanntes Leben zu führen. Keiner mag Stress.

Ziele sind etwas Individuelles. Jeder hat andere. Und das ist auch gut so.
Für den einen ist es wichtig, alles zu einem akkuraten Ende zu bringen, für den anderen reicht es, wenn er einfach mal etwas ausprobiert hat. Ist es wichtig, immer alles zum Abschluss zu bringen?
Für mich beispielsweise ist oft mein Ziel erreicht, wenn ich Einblick in etwas gewonnen habe. Ich muss Dinge nicht zwanghaft beenden, nur um gesellschaftlich ernst genommen zu werden. Habe ich den Überblick über etwas bekommen, beginnt es mich zu langweilen. Ich habe mein Ziel erreicht, weiß um was es geht und kann darüber reden, philosophieren oder schreiben, aber Details brauche ich nicht. Ich muss auch nicht damit prahlen, dass ich wieder etwas zum Abschluss gebracht habe, denn das ist nicht mein Ziel. Mein Ziel befindet sich irgendwo auf dem Weg zum allgemein erwarteten Ziel.

Fahre ich mit dem Ausüben dieser Tätigkeit dann fort, beginnt es mich zu stressen. Es wird zum Muss und macht keinen Spaß mehr. Ich bin dann nicht mehr mit Interesse und Energie dabei, sondern quäle mich nur noch.

Bienen sind fleißige Tierchen. Sie fliegen unermüdlich von Blume zu Blume und trinken den Nektar. Wenn sie ihr persönliches Ziel erreicht haben an einer Blüte, fliegen sie zur nächsten. Sie verharren nicht in einem Kelch, bis sie diesen vollständig ausgesaugt haben und er von der Pflanze fällt. Nein, sie bleiben nur so lang, bis sie ihr eigenes Ziel erreicht haben und lassen es dann gut sein. 

In diesem Sinne, überlegt euch, was eure Ziele sind. Wann ist der Zeitpunkt erreicht, ab dem eine Aufgabe zu Stress wird und nicht mehr der persönlichen Zielsetzung entspricht. Ab wann zieht sich das Gehirn beim Gedanken an eine Aufgabe zusammen.
Werdet eurer Ziele bewusst und entscheidet euch beim Erreichen des Ziels aktiv, ob es den Stress wert ist, die Aufgabe auf Biegen und Brechen bis zum Ende zu verfolgen, oder ob ihr euch nicht einfach entspannt zurück lehnen könnt mit dem Wissen, ihr habt EUER Ziel erreicht und damit zufrieden sein könnt.

Einen guten Start in die Woche wünsche ich.


© 23.5.2016 Aurelia Bin Weg