19. Juni 2016

Vorstellungsgespräche auf Basis Ehrlichkeit



















 



Schwierig, unanpassungsfähig, eigen, stur, stark, selbstbewusst, selbstständig, willensstark, kompliziert...
Das alles sind Attribute die oft an Menschen vergeben, werden, die sich von der breiten Masse abheben. Es ist völlig unterschiedlich, wie diese Worte gemeint sind. Je nachdem, von welcher Person sie kommen. Neider werden sie negativ konnotieren; Bewunderer, die gerne selbst so wären, positiv.

Nun werden wir also geboren und lernen eigentlich recht früh, uns anzupassen. Vorwiegend an die gesellschaftliche Norm und deren Regeln und Gesetze. In den meisten Fällen klappt das auch sehr gut. Wir gehen den uns vorgegebenen und von uns gewünschten Weg durch die Schule, die Ausbildung, das Studium, haben Hobbies und treten als geformter und gut entwickelter Mensch ins Berufsleben eine.
So der ideale Ablauf, der gesellschaftlich für gut geheißen wird.


Allerdings kommt doch bei manchen etwas dazwischen. Die Gründe sind vielfältig. Krankheit, tiefe Einschnitte im Leben, wie der Tod von Angehörigen, psychische Fehlentwicklungen aufgrund von diversen Erziehungsfehlern, falsche Kreise in der Jugend, Süchte, schulische Probleme usw können alles Auslöser sein für eine ungeplante Entwicklung im Lebenslauf.

Noch vor einigen Jahren wäre all das ein großes Problem gewesen bspw bei einer Bewerbung. Inzwischen ist die Gesellschaft offener geworden. Alternative Lebensläufe erwecken die Neugier auf den Menschen. Die Tendenz geht langsam aber sicher in die Richtung, dass mehr der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Schwächen zählt, als der gebügelte Lebenslauf. Es kommt immer nur darauf an, wie man sich verkauft. Sich verstellen und hohe Erwartungen im Arbeitgeber auslösen führt meist zu Unzufriedenheit und Überforderung. Am Besten man ist einfach natürlich, vielleicht sogar etwas dreist, sagt, was man will und vor allem was man nicht will und bleibt man selbst.

Wir haben also Menschen mit alternativem Lebenslauf. Da kamen einige Dinge dazwischen und es sind Lücken entstanden. Genau diese Lücken zeigen, dass man sich nicht egal ist, dass man sich nicht aufgibt. Sie zeigen, dass man im richtigen Moment weiß, wann man sich um sich selbst kümmern muss, um nicht zu zerbrechen. Oder sie sind ein Beweis dafür, dass man zerbrochen ist, sich aber wieder zusammen geflickt hat und jetzt so dasteht, wie man ist.

Wer hat etwas davon, wenn du im Vorstellungsgespräch lügst?
Jeder Mensch hat schon Fehler in seinem Leben gemacht und hatte schwere Zeiten. Wieder aufzustehen und dazu zu stehen ist viel bewundernswerter, als einen glatt gebügelten Lebenslauf zu haben und alles, was einem widerfahren ist, totzuschweigen.

Und jetzt zu einer persönlichen Erfahrung. Vorstellungsgespräche. Ich habe in meinem Leben in jedem Vorstellungsgespräch versucht, extrem motiviert, mega zuverlässig und engagiert und belastungsfähig zu wirken. Nur um den Job zu bekommen und zu überzwugen. Zum Teil fühlt man sich so, wenn man sich auf eine neue Erfahrung freut. Allerdings sollte man nie aus den Augen verlieren, wie die Realität erfahrungsgemäß aussieht. Möglicherweise ist man schnell gelangweilt, überarbeitet, braucht Abwechslung, viele Pausen, Kontrolle, Druck....was auch immer.

Was bringt Dir ein Job, bei dem Du nicht Du selbst sein kannst?
Nach jedem Vorstellungsgespräch, in dem ich versuchte zu vermitteln, wie toll und motiviert ich doch bin, hatte ich ein schlechtes Gefühl und merkte schnell, dass ich im Arbeitgeber ein Bild von mir hinterlassen hatte, dem ich unter Umständen nicht gerecht werden konnte. Die Vorgesetzten rechnen damit, das zu bekommen, was sie im Gespräch kennen gelernt haben. Die Erwartungen sind riesig, wenn man sich anders gibt, als man ist.
Ganz zu schweigen von dem Druck, den das alles in einem selbst auslösen kann. Wenn man nach und nach spürt, man muss Erwartungen enttäuschen, kann dem geforderten Einsatz nicht gerecht werden. So wird ein anfänglich schöner neuer Lebensabschnitt zu einer Qual mit permanentem Stress und Überforderung.

Alles hängt davon ab, wie man sich gibt.
Vor ein paar Tagen hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Es ging zwar nur um ein Praktikum, aber dennoch machte mir die Vorstellung bereits Bauchschmerzen, dass ich zukünftig ohne Bezahlung jeden Tag 9 Stunden an ein Gebäude gefesselt bin und nicht frei entscheiden kann, wann ich gehe.
Und das erste mal beschloss ich, alles anders zu machen. Ich ging dort rein mit all meinen Fehlern und präsentierte mich so, wie ich bin. Ich sagte direkt, dass ich mehr auf Quantität als auf Zeit arbeiten möchte, dass ich es nicht mag, für eine gewisse Anzahl von Stunden eingesperrt zu sein und dass ich lieber unterfordert als überfordert bin.

Ich habe mich offen und verletzlich präsentiert und meine „Fehler“ aufgezeigt.
Und siehe da, wir haben für alles eine Lösung gefunden.
Ich kann der Zeit dort nun entspannt entgegen sehen und meine Arbeitgeber wissen woran sie sind. Sie wissen, dass ich mir selbst bewusst bin und nicht bereit bin, mich zu überfordern. Sie wissen, dass ich bereit bin für mich selbst einzustehen und mich nicht für den Job kaputt machen werde.
Ich habe von Beginn an alles geklärt, was Probleme bereiten könnte und mich offen, direkt und ehrlich gegeben.
Nur auf so einer Basis kann man positiv in einen neuen Job starten.

Seid ehrlich und steht zu euch selbst. Alle Lücken im Lebenslauf haben euch nur stärker und spezieller und damit besser gemacht!!
Die eingangs erwähnten Attribute sind nur eine Beschreibung von Persönlichkeit.
Menschen ohne speziellen Charakter werden oft mit lieb, nett, zuverlässig, kann gut zuhören und dem ganzen Klimbim beschrieben. Das passt so ziemlich auf jeden.
Eigenschaften wie abenteuerlustig, selbstständig, eigen, speziell, Denker und Einzelgänger (und viele mehr) sind hingegen Worte, die vom Durchschnitt abheben. Sie zeigen, dass ihr eine Entwicklung durchgemacht habt, ob gut oder schlecht sei dahin gestellt, dass ihr etwas besonderes wurdet. Möglicherweise nicht einfach, aber dafür einzigartig.

Sei Du selbst!!!!
Immer und überall.
Es gibt keinen Grund, sich anzupassen.
Du bist einizgartig.



© 19.06.2016 Aurelia Bin Weg