21. März 2017

Wenn – Dann – Erwartungen





















Unsere Köpfe sind voll von ihnen. Jeden Tag begegnen sie uns.
Die Wenn – Dann – Erwartungen.

„Wenn es regnet, wird es ein schlechter Tag“
„Wenn ich keinen Kaffee trinke, überstehe ich die Arbeit nicht“
„Wenn ich nicht jeden Tag Sex habe, verlässt mich mein Partner“
„Wenn ich nicht höflich bin, mag mich keiner“
„Wenn ich nicht Überstunden mache, akzeptiert mich die Gesellschaft nicht“
„Wenn ich weine, halten mich die Menschen für schwach“
Und und und....

Wir basteln uns solche Konstrukte aus gemachten Erfahrungen, die dann ganz unbemerkt in unserem Kopf spuken und uns beeinflussen. Etwas ist einmal oder möglicherweise auch mehrfach so gewesen, also schlussfolgert unser Hirn, es wird auch immer wieder so eintreffen.
So entstehen Routinen und Gewohnheiten, die größtenteils unsinnig sind oder zumindest bereits nicht mehr dem eigenen Entwicklungsstand entsprechen.


„Wenn ich nicht lieb bin, schlägt mich Mama.“ So kriechst Du also Dein Leben lang den Menschen in ihr Hinterteil und machst es jedem recht aus Angst vor möglichen Konsequenzen, wenn Du einen eigenen Standpunkt beziehst.

Aber diese Wenn – Dann - Erwartung ist längst überholt. Mama wird nicht mit dem Teppichklopfer vor der Tür stehen, wenn Du Deinem Chef sagst, dass er ein Arschloch ist und auch dieser wird dir keine Ohrfeige geben (keine Garantie dafür).


Worum es geht, ist, die alten Wenn – Dann – Erwartungen zu erkennen und zu überprüfen, ob sie in unserer jetzigen Lebenssituation noch sinnvoll sind, oder wir durch andere Erfahrungen längst wissen, dass es auch anders geht. Dass wir auch ohne Kaffee einen wachen Tag haben können, dass uns keiner verprügelt, wenn wir ehrlich sind, dass vielleicht auch mal Dein Freund keine Lust auf Sex jeden Tag hat usw.
Und auch ein Regentag kann wunderschön sein. 

Und auch ein Tag, der schlecht angefangen hat, kann noch Wunder hervorbringen.
Die Frage ist nur, worauf wir uns konzentrieren.
Wenn Du davon ausgehst, dass Dein Tag nur noch scheiße sein kann, weil dir der Kaffee (hättest Du es mal ohne versucht) am Morgen über die Jeans gelaufen ist, dein Hund auf den Teppich gekackt hat und Dein Warmwasser-Boiler den Geist aufgegeben hat, wirst Du den ganzen Tag nur darauf lauern, etwas Schlechtes zu finden, das Dir Deine Erwartung bestätigt. Und sei Dir sicher, Du wirst es auch finden. (Lies hierzu in meinem Beitrag Wenn's mal nicht rund läuft)

Ich kenne Menschen, die diese Unart auf ihr ganzes Leben übertragen haben.
Sie suchen förmlich danach, wer oder was ihnen wieder eins auswischen könnte und jeder, außer sie selbst, ist für ihr Schicksal verantwortlich.
So weit sollte man es nicht kommen lassen.

Aus einer kleinen, noch harmlosen Form der Wenn – Dann – Erwartung können riesige Folgehandlungen entstehen, die völlig sinnfrei sein. Um es hier mal etwas zu dramatisieren, aber deutlich zu machen ein Beispiel:
Auf dem Arbeitsweg läuft Dir eine schwarze Katze über den Weg, danach fährt Dir jemand Deinen Tretroller um, den Du beim Brötchen kaufen kurz an eine Stange gelehnt hast.
Erste Wenn – Dann – Erwartung: Eine schwarze Katze bringt Unglück.
Zweite Wenn – Dann – Erwartung: Wenn du diesen Weg fährst, siehst du die Katze und wirst Unglück haben.
Aus einem Zufall wird ein Vermeidungsverhalten, das das ganze Leben einschränken kann.

Umgehen können wir das, indem wir uns reflektieren und erkennen lernen, wenn wir wieder einmal einer Wenn – Dann – Erwartung in die Falle gehen.
Und dann bewusst etwas anders machen. Sich von den alten Mustern befreien und jedem Tag eine neue Chance geben, selbst wenn mal was schief läuft.

Das damit einhergehende Gefühl von Unsicherheit, wenn man einen neuen Weg geht und alte Muster hinter sich lässt, mag zunächst beunruhigend sein, öffnet aber nach einer Weile den Horizont und lässt andere Ansichten auf die Welt zu.


Welche Wenn – Dann – Erwartungen kennst Du von Dir selbst?
Welche möchtest Du heute widerlegen?