10. März 2017

Das wichtigste Wort, um uns selbst treu zu bleiben
















Und da ist sie wieder, die unliebsame Situation, dass sich jemand fest darauf fixiert hat, dass irgendwas besonders wichtig für Dich wäre.
Dieser Mensch ist davon überzeugt, weil er die Sache selbst für wichtig hält, dass auch Du Feuer und Flamme bist.

Und Du beißt die Zähne zusammen und nimmst Teil, wieder und wieder, weil Du denkst, es wäre unhöflich und enttäuschend für den anderen, wenn Du ihm sagst, dass Dich das null interessiert. Und von Mal zu Mal rutschst Du tiefer rein in den Sog der vermeintlichen Verantwortung anderen gegenüber und des selbstgebastelten Knigge.
Dazu heute ein paar Zeilen. Ich war also im Büro und mein Chef erzählt mir schon seit ein paar Wochen von diversen Sitzungen, Vorträgen und Terminen.
Ja, eigentlich sind die Inhalte sicher wichtig für mich und eigentlich erwartet man auch, dass ich mich dafür interessiere.....aber....seien wir mal ehrlich, es gibt nichts langweiligeres als Runden, in denen gelangweilte Menschen stundenlang einem anderen genervten Menschen zuhören, der das selbe Thema zum achthundertvierundachzigtausendsten Mal runterleiert.

Ja, wir sollten uns einbringen, von unseren Fortschritten berichten, begeistert und gut angezogen erscheinen, den dadurch entstandenen Schein wahren usw. usw. usw.

Wir sollten. Aber wer sagt, wir müssen? Wir selbst?
Am Anfang spielte ich das Spiel mit und versuchte mich an den Gedanken zu gewöhnen, mit Menschen, die trotz selben Alters und täglichen Kontakts zueinander auf ein „Sie“ bestehen, Stunden in einem stickigen Raum zu sitzen und ach so begeistert zuzuhören, um im Endeffekt den Inhalt einer Seite abschließenden Protokolls in ihrem Entstehungsprozess zu begleiten.

Irgendwann merkte ich aber, dass der Mensch, den ich da in meiner Vorstellung sah, nicht ich war, sondern eine Rolle eines Theaterstücks, das sich Gesellschaft nennt.

Also ging ich zu meinem Chef und sagte ihm Folgendes:
„Wenn es Ihnen persönlich wichtig ist, dass ich da dabei bin, nehme ich natürlich Teil. Wenn es Ihnen egal ist, werde ich nicht anwesend sein. Ich lese mir gern danach das Protokoll durch, um zu wissen, was bei der Sitzung heraus kam, aber meine Zeit würde ich gerne anders nutzen, da es mir nach 15 Minuten auch sehr schwer fällt, solchen Veranstaltungen geistig zu folgen und ich in Tagträume flüchte.“

Es war überhaupt nicht schwer, für mich selbst einzustehen.
Er war nicht begeistert, aber er hat es verstanden, weil es ihm selbst ähnlich geht. Wir haben uns auf zwei Veranstaltungen geeinigt und ich bekomme die Protokolle der anderen per Email. Falls ich etwas dazu beizutragen habe, nehme ich natürlich Teil.

Wir verschwenden so viel Zeit damit, Dinge zu tun, die andere von uns erwarten, die wir selbst aber gar nicht wollen. Nicht nur im Arbeitsleben, auch im Privaten kommt das sehr oft vor. Der Umzug des Kanarienvogels eines Freundes, die Beerdigung der Oma Deines Nachbarn und und und.
Natürlich macht man gerne mal etwas für jemanden, der einem nahe steht, auch wenn es einem selbst nicht wichtig ist, aber es gibt viele Situationen, in denen ein Nein besser für alle wäre, vor allem solche, die eine erwartete Regelmäßigkeit nach sich ziehen.

Sind bei einem Umzug nur Menschen dabei, die wirklich Lust haben und nicht mit den drei Katern der Vorabende im Nacken im Schneckentempo eine Klorolle in den Transporter schleppen, geht alles viel schneller von statten und die Stimmung ist besser.

Sind bei Sitzungen nur Menschen, die wirklich etwas mitzuteilen haben und solche, die direkt davon betroffen sind, wird weniger Zeit benötigt und man kommt schneller ans Ziel.

Sind bei der Beerdigung nur Menschen, die die Oma kannten, wirklich trauern über ihren Verlust, wird es eine authentische Veranstaltung und keiner muss etwas vorspielen, nur um nachher reich schlemmen zu können (auch ein Brauch, den ich nicht nachvollziehen kann. Erst heulen, als gäbe es kein morgen mehr und dann feiern....).

Letztendlich sind alle am besten dran, wenn wir einfach ehrlich mit ihnen sind. Wenn wir etwas nicht tun möchten, sollten wir das verbalisieren. Das ist unser Recht und unsere Selbstfürsorge.
So verhindern wir, unglücklich zu werden, weil wir nur noch tun, was andere möchten, wir verhindern, dass immer höhere Erwartungen an uns gestellt werden und wir verhindern, dass wir uns selbst verlieren. (Lese hierzu meinen Beitrag zum Thema Glück )

In diesem Sinne:
Sagen wir doch heute einfach öfter mal NEIN.